Autor: Marie

  • Studis pflastern ab: Mehr Grün auf dem Campus der FH Münster

    Studis pflastern ab: Mehr Grün auf dem Campus der FH Münster

    Wie kann ein Hochschulcampus grüner, artenreicher und lebenswerter werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende des Masterstudiengangs Nachhaltige Transformationsgestaltung an der FH Münster. Im Studiengang entwickeln die Studierenden jedes Semester Projekte zu sozial-ökologischer Nachhaltigkeit. Die entwickelten Ideen sollen praktische Veränderungen anstoßen, die nach Projektende von Praxispartnern weitergeführt werden können.

    In diesem Semester fiel der Blick auf die versiegelten Flächen der FH Münster. Viele Studierende wünschen sich mehr Grün auf dem Campus. Die Hochschule selbst hat bereits eine Biodiversitätsstrategie entwickelt und ist durch den Wettbewerb abpflastern auf das Thema Entsiegelung aufmerksam geworden. Zwei Projektgruppen haben schließlich an den Standorten Münster und Steinfurt angepackt. Unsere Projektmanagerin Sarah war Teil der Aktion und berichtet von ihren Erfahrungen.

    Von der Idee zur passenden Fläche

    Bevor der erste Pflasterstein entfernt werden konnte, war einiges an Abstimmung notwendig. Gemeinsam mit dem Gebäudemanagement, der Liegenschaftskoordinatorin und weiteren Beteiligten wurde zunächst nach geeigneten Flächen gesucht. Bei einer gemeinsamen Begehung wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert und auch die Rückmeldungen weiterer Dezernate eingeholt.

    Dieser Austausch war nicht nur notwendig, sondern auch sehr wertvoll: Die ursprünglich vorgesehene Fläche von rund 17 Quadratmetern wurde von vielen als Fahrradabstellfläche genutzt. Stattdessen wurde ein untergenutzter Mitarbeiterparkplatz dann ausgewählt. Insgesamt konnten hier sechs Stellplätze mit einer Fläche von sogar rund 70 Quadratmetern entsiegelt werden.

    Mitmachen statt zuschauen

    Im Mittelpunkt des Projekts stand die Beteiligung möglichst vieler Hochschulangehöriger.

    Am ersten Aktionstag informierte ein Mitmachstand über die Vorteile von Entsiegelung und die Aktion. Mit einem Glücksrad, selbstgebackenem Kuchen und frisch gebrühtem Kaffee kamen die Studierenden mit vielen Interessierten ins Gespräch. Wer wollte, konnte direkt selbst aktiv werden und die ersten Pflastersteine entfernen. Flyer mit Informationen zum Thema sowie Saatguttütchen rundeten das Angebot ab. Obwohl der Stand etwas versteckt hinter dem Gebäude lag, beteiligten sich rund 50 Personen. Manche entfernten nur ein oder zwei Steine auf dem Weg zur Vorlesung, andere blieben mehrere Stunden und halfen tatkräftig mit. Bauingenieurstudierende brachten ihr Fachwissen ein.

    Der zweite Aktionstag stand dann ganz im Zeichen des gemeinsamen Anpackens. Über Fachschaftsverteiler, WhatsApp-Gruppen und weitere Kanäle wurde zur Teilnahme eingeladen. Innerhalb weniger Stunden war die restliche Pflasterfläche mit Brecheisen und Handschuhen entfernt. 

    Steine entfernt und nun?

    Aktuell ist die entsiegelte Fläche mit einem Bauzaun gesichert. Informationstafeln erklären, warum die Bepflanzung erst im Herbst erfolgt: Zu dieser Jahreszeit wachsen Stauden und Gehölze deutlich besser an und benötigen weniger Pflege. Für die Gestaltung wurde bereits ein Pflanzkonzept entwickelt. Geplant sind unter anderem eine Wildblumenwiese, Stauden, ein Apfelbaum und eine Sitzbank. Auch Ideen der Studierenden wurden aufgegriffen. So wird ein Boot, das im Rahmen eines anderen Masterprojekts entstanden ist, künftig als Pflanzkübel Teil der neuen Grünfläche sein.

    Wie wär’s, wenn andere Hochschulen nachziehen?

    Das Projekt endet nicht mit der Entsiegelung. Gemeinsam mit der Projektgruppe aus Steinfurt entstand ein Leitfaden, der die wichtigsten Erfahrungen und Tipps zusammenfasst. Er soll über abpflastern und Grün statt Grau e. V. verbreitet werden und anderen engagierten Studis den Einstieg in eine solche Aktion erleichtern. Außerdem gibt es bereits neue Ideen:

    Warum nicht einen Entsiegelungswettbewerb zwischen Hochschulen ins Leben rufen? 

  • Erster Einsatz für den Pflasterlaster: Erfolgreicher Praxistest in Münster-Nienberge

    Erster Einsatz für den Pflasterlaster: Erfolgreicher Praxistest in Münster-Nienberge

    Am 20. Juni 2026 war es so weit: Der Pflasterlaster war zum ersten Mal im Einsatz. Mit dem neuen kostenlosen Abholservice unterstützt unser Verein Menschen, die ihre Flächen entsiegeln möchten, aber keine Möglichkeit haben, Schotter oder andere Materialien selbst zu transportieren.

    Der erste Praxistest führte uns nach Münster-Nienberge. Die Eigentümerinnen hatten bereits einen Teil der Pflastersteine entfernt und über Kleinanzeigen verschenkt. Was blieb, war der Schotter unter den Steinen – und genau der stellte die größte Herausforderung dar. Zwar gibt es in der Nähe einen Recyclinghof, dieser nimmt jedoch keinen Schotter an. Da die Eigentümerinnen kein Auto zur Verfügung hatten, suchten sie Unterstützung und wandten sich an unseren Verein.

    Gut vorbereitet zum ersten Einsatz

    Sarah, Tine und Inge aus unserem Verein haben den Einsatz übernommen. Morgens wurde zunächst ein Carsharing-Transporter abgeholt und mit allem ausgestattet, was für den Einsatz benötigt wurde: Big Bags für den Materialtransport, Werkzeuge und Behälter zum Verladen. Anschließend ging es nach Nienberge.

    Vor Ort wartete ein etwa zwei Meter langer und 30 Zentimeter breiter Seitenstreifen entlang der Terrasse darauf, vollständig entsiegelt zu werden. Unter den Pflastersteinen kamen rund 40 Zentimeter Schotter zum Vorschein – deutlich mehr, als zunächst vermutet.

    Gemeinsam wurde der Schotter mit Spitzhacke und Schaufel gelockert, mit der Schubkarre zu den Behältern transportiert und anschließend in den Transporter verladen. Ein kleiner Teil des Schotters blieb bewusst auf der Fläche, der Rest wurde abtransportiert.

    Vom Garten direkt zum Recyclinghof

    Mit dem voll beladenen Transporter ging es anschließend zum Recyclinghof in Münster-Coerde. Dort wurde das Fahrzeug vor und nach dem Entladen gewogen. Insgesamt wurden rund 300 Kilogramm Schotter entsorgt. Die Entsorgungskosten beliefen sich auf knapp 19 Euro, das Entladen selbst dauerte nur etwa zehn Minuten. Nach der Rückfahrt wurden Werkzeuge, Big Bags und Transporter wieder zurückgebracht. Der eigentliche Einsatz vor Ort dauerte rund zwei Stunden, hinzu kam etwa eine Stunde Fahrzeit.

    Ein gelungener Test

    Der erste Einsatz fand an einem heißen Sommertag statt und machte deutlich: Entsiegelung ist körperlich anstrengend – vor allem, wenn große Mengen Schotter bewegt werden müssen. Doch der Praxistest zeigte auch, wie wertvoll praktische Unterstützung sein kann. Gerade der Transport und die fachgerechte Entsorgung des Materials stellen für viele Menschen eine Hürde dar.

    Für das Team war der erste Einsatz deshalb ein voller Erfolg. Der Pflasterlaster hat gezeigt, dass das Konzept funktioniert und genau dort unterstützt, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Wir freuen uns auf viele weitere Einsätze und darauf, gemeinsam mit engagierten Bürger*innen Münster Stück für Stück grüner zu machen.


    Mit dem Pflasterlaster holen wir euer entsiegeltes Material kostenlos ab. So möchten wir dabei helfen, eine der größten Hürden bei der Entsiegelung zu überwinden.

  • Vom Niemandsland zum Hingucker – eine nachbarschaftliche Entsiegelung in Mecklenbeck

    Vom Niemandsland zum Hingucker – eine nachbarschaftliche Entsiegelung in Mecklenbeck

    Was lange Zeit eine trostlose Fläche aus Betonplatten, Schotter und kaputten Betontrögen war, ist heute ein kleines grünes Beet mit Stauden, Gräsern und einem Zwergahorn. Entstanden ist die Verwandlung nicht durch ein großes Förderprojekt, sondern durch engagierte Nachbar*innen, die gemeinsam angepackt haben. Wir haben Edith gefragt, wie das geklappt hat.

    Edith lebt seit 25 Jahren in Mecklenbeck. Auf das Thema Entsiegelung wurde sie durch die Streuobstwiesen-AG des NABU aufmerksam. In ihrer Straße gab es eine Fläche, die schon lange vielen ein Dorn im Auge war. 

    Die Fläche war komplett mit Betonplatten ausgelegt und es wurde zunehmend Müll dort abgelagert. Beim Straßenfest haben wir wieder darüber gesprochen, dass wir sie gerne umgestalten würden. Ein Nachbar hat dann gleich Nägel mit Köpfen gemacht, einen Trecker mit Anhänger organisiert und für das folgende Wochenende einen Termin ausgemacht.“

    Aus einer Idee wurde ein Nachbarschaftsprojekt

    Die Fläche gehört zu einem Mehrfamilienhaus und grenzt an ein Carport eines Reihenhauses. Viele empfanden sie als eine Art Niemandsland. Bevor es losgehen konnte, wurde deshalb zunächst der Eigentümer angesprochen. Er war mit der Umgestaltung einverstanden – solange ihm dadurch keine Kosten entstehen.

    Gestartet sind zunächst drei Nachbar*innenDoch im Laufe des Nachmittags kamen immer mehr Helfer*innen dazu. Manche packten mit an, andere unterstützten das Projekt mit einer kleinen Geldspende. Auch viele Kinder waren dabei.

    Vor allem für neuzugezogene Kinder war es eine tolle Möglichkeit, sich anzufreunden. Am nächsten Tag habe ich sie zusammen auf der Straße spielen sehen – das hat mich total gefreut.“

    Gemeinsam anpacken

    Zunächst wurden die schweren Betonplatten entfernt. Anschließend musste der Schotter ausgehoben und mit Trecker und Anhänger abtransportiert und fachgerecht entsorgt werden. Noch am selben Tag wurde neue Erde eingebracht, sodass die Fläche direkt bepflanzt werden konnte.

    Bei der Auswahl der Pflanzen spielte vor allem eines eine Rolle: möglichst wenig Geld auszugeben. Außerdem haben die Nachbar*innen Wert auf eine insektenfreundliche Bepflanzung gelegt. Viele Stauden stammten deshalb aus den eigenen Gärten der Nachbar*innen. Gepflanzt wurden unter anderem Frauenmantel, Glockenblumen, Geranien und Hortensien. Eine Familie spendete einen Zwergahorn, der im eigenen Garten keinen passenden Platz gefunden hatte. Von den Geldspenden wurden zusätzlich Gräser gekauft, später kamen noch Blumenzwiebeln hinzu.

    Damit die Pflanzen nicht von parkenden Autos beschädigt werden, fand sich auch dafür eine kreative Lösung: Über Kleinanzeigen organisierte ein Nachbar große Sandsteine, die heute als natürliche Begrenzung dienen.

    Ein Gewinn für die ganze Straße

    Heute kümmern sich Edith und weitere Nachbar*innen gemeinsam um die Pflege der Fläche. Regelmäßig wird gegossen, Unkraut entfernt und Verblühtes zurückgeschnitten. Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen – und wird durch die vielen positiven Rückmeldungen mehr als belohnt.

    Da unsere Straße eine Abkürzung zum Zentrum Mecklenbecks ist, kommen hier viele Menschen mit dem Fahrrad oder zu Fuß vorbei. Wir haben schon sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, weil es so schön geworden ist. Selbst Kinder bleiben stehen und sagen, wie toll die Fläche jetzt aussieht.“

    Ediths Tipp für alle, die selbst entsiegeln möchten

    Wichtig ist, dass sich die Leute zusammentun. Gerade Betonplatten und Schotter rauszuholen ist schwere körperliche Arbeit. Aber es beweist auch, dass sich Eigeninitiative lohnt!“

    Aus ihrer Sicht gibt es vor allem einen Punkt, wie Entsiegelungsaktionen grundsätzlich unterstützt werden können: der Abtransport des Aushubs und die Anlieferung neuer Erde. Wer keine Kontakte zu Menschen mit Treckern und Anhängern hat, ist dann aufgeschmissen.


    Mit dem Pflasterlaster holen wir euer entsiegeltes Material kostenlos ab. So möchten wir dabei helfen, eine der größten Hürden bei der Entsiegelung zu überwinden.